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Bus und Bahn bleiben Motor der Mobilitätswende

Eine Stadt, die eine bessere Qualität und Nutzbarkeit des öffentlichen Raums für die Menschen schafft und deutlich weniger durch den Autoverkehr belastet ist. Das ist die Vision – die Mobilitätswende zeichnet den Weg dahin. Ob sie gelingt, wird darüber entscheiden, wie gesund, nachhaltig und lebenswert unsere Städte zukünftig sein werden. Wenn die Mobilitätswende Realität werden soll, sind Gesellschaft, Politik, Verwaltung und ÖV-Branche gleichermaßen gefordert.

Durch die Corona-Pandemie und deren nach wie vor nicht restlos absehbaren Folgen hat sich diese Vision nicht grundlegend geändert. Obwohl die Sorge vor der Verbreitung des Virus zu teilweise dramatischen Nachfrageeinbrüchen im öffentlichen Verkehr geführt hat, muss die Mobilitätswende in einem längeren Zeithorizont gedacht werden. Trotz ihrer vielfältigen negativen Folgen hat die Pandemie auch Innovationen hervorgebracht – etwa im Bereich der digitalen Angebote. Dieser Wille, Kundinnen und Kunden mit attraktiven Verkehrsangeboten zurückzugewinnen, aber auch neue Segmente zu erschließen, müssen für die Zukunft konsequent weiterverfolgt werden.

„Der öffentliche Verkehr bleibt bei der Mobilitätswende ein entscheidender Akteur, denn er ist die Lösung für klimafreundlichen Verkehr. Wir verstehen unsere Rolle als Vorreiter einer neuen, sich wandelnden Mobilität in den Städten und auf dem Land, auf Schienen und Straßen. Wir bieten bezahlbare und zuverlässige Mobilität für Menschen und Güter. Wir sichern hunderttausende qualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland und wir sichern täglich die Mobilität von über 80 Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Für eine moderne und effiziente Mobilität müssen wir als Branche den digitalen Transformationsprozess aktiv mitgestalten, damit wir nicht von anderen gestaltet werden.“

Ingo Wortmann · VDV-Präsident

Mobilitätswende als Dekadenstrategie für unsere Städte

Vielerorts hat sich das Bedürfnis nach mehr Lebensqualität in den Städten im Laufe der Corona-Pandemie sogar noch verstärkt. Obwohl sich die zeitweise starke Verlagerung von Verkehren des ÖPNV zum Auto mancherorts wieder deutlich abgeschwächt hat, sind die negativen Auswirkungen in vielen Städten unübersehbar. Noch mehr Autos stauen sich in Quartierstraßen, die Folgen sind Lärm, Stress und längere Reisezeiten in der Stadt.

Auch der Klimawandel ist nicht von der Agenda verschwunden. Der Verkehrssektor muss für die globalen Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens eine deutliche Reduktion von Treibhausgasen erreichen, auch um EU-Strafzahlungen zu vermeiden. Klimaschutzziele dürfen nicht einmal zeitlich befristet ausgesetzt werden, da anderenfalls Kumulationen unerwünschter Klimaeffekte die ohnehin schwierig zu erreichenden Ziele des Klimaschutzabkommens in große Ferne verschieben.

Gegenwärtig ist das Ziel, das Vertrauen der Fahrgäste wiederzugewinnen. Perspektivisch sollen aber auch neue Kundinnen und Kunden gewonnen werden. Dazu muss der ÖPNV neue Herausforderungen bewältigen. Verkehrsangebote mit zeitlicher Flexibilität, die sich noch stärker an die Nachfrage anpassen und dazu die Kundenströme digital erfassen, sind ein wichtiger Baustein. Über eine bessere Auslastung und gleichmäßigere Verteilung auf vorhandene Kapazitäten kann der Abstandsanspruch mit mehr Privatsphäre besser gewährleistet werden. Gleichzeitig muss aber auch umso engagierter der Kapazitätsausbau für ein weiteres Wachstum vorangetrieben werden.

„Der ÖPNV hat vor der Corona-Pandemie mit einer starken Nachfrageentwicklung unter Beweis gestellt, dass er als Rückgrat des Umweltverbundes wichtiger Teil der Mobilitätswende ist. Zum Kern einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie gehört dabei jedoch nicht nur ein erfolgreicher Umweltverbund. Vielmehr sind sowohl Autoverkehre zu vermeiden, zu verlagern und stadtverträglich abzuwickeln als auch ein menschlicher Maßstab zum Ausgangspunkt für die Planung lebenswerter Städte zu machen. Dies setzt auf der kommunalen Ebene ein klares Bekenntnis der Politik zum Mobilitätswandel voraus. Es bedarf neuer Zielkonzepte, damit Politik und Verwaltung die Zukunft selbst aktiv gestalten und notwendige einschneidende Maßnahmen getroffen werden können."

Tim Dahlmann-Resing · Vorsitzender des Allgemeinen Ausschusses für Planung und Mitglied des VDV-Präsidiums

Umsteuern durch verschiedene ÖPNV-Offensiven

Bereits heute müssen die Entscheidungen durch Bund, Länder, Kommunen sowie Verkehrsunternehmen und -verbünde zusammen mit der Wirtschaft getroffen werden, um bis 2030 ein Drittel mehr Modal-Split-Anteil für Bus und Bahn zu erzielen. Das erfordert:

Die fünf ÖPNV-Offensiven ordnen sich ein in den gesamtgesellschaftlichen, politisch verabschiedeten Konsens für den globalen Klimaschutz. Die gegenwärtige Umbruchsituation sollte nun beherzt genutzt werden, die ÖPNV-Offensiven anzugehen.

Gemeinsam kommen wir besser weiter

Es muss schnell reagiert werden. Denn es geht jetzt darum, das Vertrauen der Fahrgäste wieder zugewinnen. Wenn am Ende der private Autoverkehr der Gewinner der Corona-Pandemie ist, dann würde das die Klimakrise und die Verkehrsprobleme in den Städten weiter verschärfen.

Aus diesem Grund setzen wir uns gemeinsam mit Bund, Ländern und Verkehrsunternehmen mit der deutschlandweiten Gemeinschaftskampagne #BesserWeiter dafür ein, das Vertrauen der Fahrgäste zu stärken.

Deutschland mobil 2030
Die im Jahr 2019 erstellte Studie „Deutschland mobil 2030“ von PwC und Intraplan im Auftrag des VDV stellt verschiedene Verkehrs- und Mobilitätsszenarien für das Jahr 2030 dar. Die Studie hält es für machbar, in Deutschland bis zum Jahr 2030 den öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) um etwa 30 Prozent und den Schienengüterverkehr um 22 Prozent zu steigern. Voraussetzungen dafür sind ein Umdenken bei allen Akteuren und ein Umlenken in vielen Politikfeldern bei Bund, Ländern und Kommunen.

Kommunen können Krisenerfahrung als Chance für Verkehrswende nutzen

Für Bund, Länder und Kommunen bietet sich aufgrund der Erfahrungen aus dem vergangenen halben Jahr die Gelegenheit, den Wandel hin zu einer krisenfesten und klimagerechten Mobilität zu beschleunigen. Das geht aus einer Studie hervor, die der Thinktank Agora Verkehrswende gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), dem Deutschen Städtetag, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) erarbeitet hat. Untersucht wurden die Veränderungen im Stadtverkehr seit Beginn der Corona-Pandemie, die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen und der Handlungsbedarf bei Bund und Ländern.

ÖPNV als Rückgrat – auch für krisenfeste Mobilität
Der Handlungsbedarf im öffentlichen Verkehr hat sich laut Studie durch die Folgen der Pandemie deutlich verschärft. Verkehrsunternehmen müssten mehr investieren, um Hygienekonzepte umzusetzen, bei weniger Fahrgästen und dadurch weniger Einnahmen. Hinzu komme der ohnehin angestrebte und notwendige Ausbau des Angebots. Neben den aktuellen Sonderförderprogrammen müssten Bund und Länder über den bislang schon geleisteten Eigenanteil der Kommunen hinaus auch langfristig für eine solide Kofinanzierung aus Steuermitteln sorgen. Digitalisierung könne dazu beitragen, das System effizienter zu steuern und Dienstleistungen zu kombinieren.

Dr. Volker Deutsch, Fachbereichsleiter Integrierte Verkehrsplanung beim VDV: „Die Herausforderungen werden nach Corona die gleichen sein wie vorher, sobald sich die Pendler- und Verkehrsströme normalisieren. Deshalb muss weiter kontinuierlich an einer Politik der Mobilitätswende – mit mehr ÖPNV, Rad- und Fußverkehr – gearbeitet werden. Im ÖPNV bedarf es dazu einer Angebots- und einer Infrastrukturoffensive, die umgehend eingeleitet werden muss. Hierbei helfen zusätzliche Finanzierungswege. Neben den bereits verbesserten Fördermöglichkeiten bei der Schieneninfrastruktur bedarf es einer Digitalisierungsoffensive sowie der Förderung hochwertiger Bussysteme.“

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