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Wie sinnvoll ist ein "kostenloser" Nahverkehr?

Um Dieselfahrverbote in den Städten zu vermeiden, kam im Feburar 2018 von der Bundesregierung in einem Brief  an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella überraschend der Vorschlag, den öffentlichen Nahverkehr in den Städten kostenlos anzubieten. Dadurch würden mehr Menschen ihr Auto stehen lassen und auf Busse und Bahnen umsteigen. Eine Idee, die schnell wieder verworfen wurde - schon alleine aus Kostengründen.

  1. Ein kostenloser ÖPNV ist nicht kostenlos: Die finanzielle Belastung für öffentliche Kassen wäre immens. Denn die Einnahmen durch Fahrscheinverkäufe müssten dann über den Steuerzahler eingebracht werden. Deutschlandweit sind es rund 13 Milliarden Euro an Ticketeinnahmen, die dann über öffentliche Mittel investiert werden müssten.

  2. Überlastete Verkehrsnetze: In vielen Städten ist das ÖPNV-System schon chronisch überlastet. Wenn der kostenlose ÖPNV ungefähr 30 Prozent mehr Fahrgäste einbringt, dann gäbe es noch vollere Busse und Bahnen - der öffentliche Nahverkehr wäre für viele Menschen weniger attraktiv.

  3. Hohe Investitionen in Sanierung und Ausbau notwendig: Vor der Einführung eines kostenlosen ÖPNV wären daher hohe Investitionen aus öffentlichen Mitteln nötig, denn es müssten Fahrzeuge gekauft, Personal eingestellt und Haltestellen, Bahnhöfe, etc. umgebaut werden. Die Infrastruktur müsste zudem komplett modernisiert und ausgebaut werden. Der Sanierungsstau im kommunalen ÖPNV beträgt jetzt schon vier Milliarden Euro. Für die Modernisierung und den Ausbau des ÖPNV-Systems wären bei einem Gratis-ÖPNV weitere zehn Milliarden Euro notwendig.

Maßnahmen zur Luftreinhaltung in den Städten sind nur dann sinnvoll, wenn sie langfristig und flächendeckend finanziert werden können. Der kostenlose Nahverkehr ist vom Finanierungsaufwand weder realistisch noch kurzfristig umsetzbar. Damit der öffentliche Nahverkehr für mehr Menschen attraktiver werden kann, muss der Ausbau des Verkehrsnetzes vorangetrieben und neue innovative Mobilitätsangebote entwickelt werden.

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