Rückblick auf die NRW-Gleisanschlusskonferenz am 23. April 2026 des VDV Nordrhein-Westfalen

Am 23. April 2026 hat der VDV NRW gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Politik und Kommunen die NRW-Gleisanschlusskonferenz durchgeführt. Ziel der Veranstaltung war es, die Bedeutung von Gleisanschlüssen für einen leistungsfähigen und nachhaltigen Schienengüterverkehr herauszustellen, konkrete Vorteile für Verlader sichtbar zu machen und zugleich den politischen Handlungsbedarf zur Verbesserung der Rahmenbedingungen zu diskutieren.

Ausgangspunkt der Konferenz war die Erkenntnis, dass der häufig formulierte Anspruch „Güter gehören auf die Schiene“ in der Praxis weiterhin mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist – insbesondere dort, wo Gleisanschlüsse über Jahre hinweg an Bedeutung verloren haben oder nicht mehr präsent sind. Vor diesem Hintergrund verdeutlichte die Veranstaltung, dass gerade an einem Hochlohnstandort wie Nordrhein-Westfalen eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ein zentraler Wettbewerbsfaktor ist und Gleisanschlüsse hierbei eine Schlüsselrolle spielen.

Gemeinsamer Auftakt und politische Einordnung
Die Konferenz wurde von Christian Betchen, stellvertretender Vorsitzender des VDV NRW für Güterverkehr und Geschäftsführer der KSW Kreisbahn Siegen-Wittgenstein GmbH, eröffnet. In seinen Begrüßungsworten hob er die strategische Bedeutung von Gleisanschlüssen für Wirtschaft, Kommunen und Klimaschutz hervor und verwies auf die Gleisanschluss-Charta, die der VDV gemeinsam mit mehr als 60 Partnern ins Leben gerufen hat. Ziel der Charta ist es, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Gleisanschlüsse nachhaltig zu verbessern und potenzielle Verlader stärker für diese Transportoption zu sensibilisieren.

Joachim Berends, Vizepräsident des VDV und Vorstand der Bentheimer Eisenbahn AG, ordnete das Thema im Anschluss aus Verbandssicht ein. Anhand der in seiner Präsentation ausführlich dargestellten Datenlage ist er insbesondere auf die Entwicklung der Gleisanschlüsse der letzten Jahre eingegangen. Er machte deutlich, dass Gleisanschlüsse ein unverzichtbares Element für die Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs sind und dass deren Erhalt, Reaktivierung und Ausbau sowohl politisches Commitment als auch verlässliche investive Rahmenbedingungen erfordern.

Mit der Keynote von Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, erhielt die Konferenz eine klare verkehrspolitische Einordnung. Der Minister unterstrich die Rolle des Schienengüterverkehrs für die Erreichung der Klima- und Verkehrswendeziele des Landes und die Bedeutung von Gleisanschlüssen für resiliente Lieferketten und entlastete Straßeninfrastruktur.

Politische Diskussion und europäische Perspektive
In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Landespolitik – Olaf Lehne MdL (CDU), Frank Börner MdL (SPD) und Ina Besche-Krastl MdL (Bündnis 90/Die Grünen) – gemeinsam mit Minister Oliver Krischer und Christian Betchen über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze. Deutlich wurde parteiübergreifend der Konsens, dass Gleisanschlüsse stärker als bislang als Infrastruktur von strategischem Interesse betrachtet werden müssen und Planungs-, Genehmigungs- und Förderprozesse weiter zu vereinfachen sind.

Einen erweiterten Blick auf die europäischen Rahmenbedingungen warf Marcus Voelker, Referatsleiter für Schienengüterverkehr, Schifffahrt und Häfen im NRW-Verkehrsministerium. Er beleuchtete die Erwartungen der EU an urbane Knoten und deren Rolle im zukünftigen Güterverkehr und ordnete diese in den Kontext der nordrhein-westfälischen Verkehrspolitik ein.

Praxis, Förderung und konkrete Umsetzung
Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf praxisnahen Einblicken aus Wirtschaft und Logistik. Vertreter aus den Bereichen Stahl, Chemie und Spedition zeigten anhand konkreter Beispiele, wie Gleisanschlüsse erfolgreich genutzt werden können, welche betriebswirtschaftlichen und ökologischen Vorteile sich ergeben und welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung entscheidend sind.

Ergänzend informierte Jürg Wendler vom Bundesministerium für Verkehr über aktuelle Fördermöglichkeiten für Gleisanschlüsse und erläuterte die zugrunde liegenden Förderrichtlinien. Carsten Wiemer von DB InfraGO AG stellte anschließend die Schritte vor, wie Unternehmen konkret zu einem Gleisanschluss kommen können, und gab Einblicke in die infrastrukturellen und organisatorischen Anforderungen.

Fazit und Ausblick
Im abschließenden Resümee betonte Ulrich Jaeger, dass die NRW-Gleisanschlusskonferenz eindrucksvoll gezeigt habe, welches Potenzial in Gleisanschlüssen steckt – sowohl für Unternehmen als auch für Kommunen und das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt. Zugleich sei deutlich geworden, dass es neben Förderinstrumenten vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure benötigt, um dieses Potenzial langfristig zu heben.

Die NRW-Gleisanschlusskonferenz bot damit nicht nur einen kompakten Überblick über aktuelle Entwicklungen, sondern setzte auch wichtige Impulse für die weitere fachliche und politische Diskussion. Der VDV NRW wird diese Themen gemeinsam mit seinen Partnern weiter vorantreiben und den Dialog mit Politik, Wirtschaft und Kommunen fortsetzen.

Veranstaltungsort

Ein besonderer Rahmen für die Konferenz war das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen. Als einer der bedeutendsten Standorte der Eisenbahngeschichte in Deutschland bot das Museum eine passende Kulisse, um die Leistungsfähigkeit und Entwicklung des Schienenverkehrs greifbar zu machen. Die historische Umgebung unterstrich eindrucksvoll die Bedeutung der Schiene als Rückgrat leistungsfähiger Verkehrsinfrastruktur – gestern, heute und mit Blick auf die Zukunft.

Status: 04.05.2026 · Änderungen vorbehalten