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Pressemitteilungen

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SINUS-Jugendstudie 2016: ÖPNV mehr als ein Beförderungsmittel

Die neue Studie des SINUS-Instituts „Wie ticken Jugendliche 2016?“, die heute in Berlin vorgestellt wurde, hat Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren erstmals auch zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Das Ergebnis ist aus Sicht des Öffentlichen Personenverkehrs positiv: Der überwiegende Teil der Jugendlichen ist mit dem Bus- und Bahnangebot in Deutschland zufrieden und sieht im ÖPNV mehr als nur ein Beförderungsmittel. Die Befragten gaben an, dass sie die Fahrtzeiten nutzen, um in sozialen Austausch zu treten, alte Freunde wiederzutreffen oder neue Kontakte zu knüpfen. Sie schätzen zudem die Möglichkeiten, während der Fahrt etwas von der Umgebung sehen zu können und Zeit für sich zu haben.

„Die Ergebnisse sind für unsere Branche erfreulich und auch etwas überraschend. Damit, dass die Jugendlichen den ÖPNV als Raum der Begegnung im positiven Sinne sehen, hätten wir nicht unbedingt gerechnet. Denn gerade zu den Stoßzeiten, wenn auch die Schüler hauptsächlich unterwegs sind, ist es doch oft sehr voll in vielen Bussen und Bahnen“, erklärt Michael Weber- Wernz, Geschäftsführer der Akademie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV-Akademie), Mitauftraggeber der diesjährigen SINUS-Jugendstudie.

Mobilitätsverhalten eher pragmatisch, Führerschein und Auto keine Statussymbole
Die Sicht der Jugendlichen auf die Gestaltung ihrer Mobilität ist eher pragmatisch geprägt, und zwar unabhängig von ihrer jeweiligen Lebenswelt. Der ÖPNV wird deshalb vor allem unter den Aspekten Preis und Verfügbarkeit oft als ideales Verkehrsmittel bewertet. Allerdings hauptsächlich von den Jugendlichen, die in Großstädten und Ballungsräumen leben. Die Befragten in ländlichen Regionen stehen der ÖPNV-Nutzung zwar grundsätzlich nicht negativ gegenüber, wünschen sich aber bessere Verbindungen zwischen den Gemeinden und einen Ausbau der Wochenend- und Abendfahrpläne. Gerade im ländlichen Raum haben Führerscheinerwerb und das eigene Auto bei den Jugendlichen deshalb auch aus pragmatischen Gründen einen höheren Stellenwert. „Die Vorstellungen einer attraktiven Mobilität sind für die Jugendlichen nicht immer konkret greifbar, sondern folgen eher pragmatischen Überlegungen. Interessant ist dabei, dass der PKW in den meisten kulturellen Jungendmilieus einen sinkenden Stellenwert hat, das eigene Auto verliert an Faszination“, so Weber-Wernz.

Jugendliche wünschen sich ganzheitliche Mobilitäts-Apps und mehr Sicherheit im ÖPNV
Neben der grundsätzlich positiven Beurteilung des ÖPNV formulieren die befragten Jugendlichen auch einige konkrete Kritikpunkte am heutigen Angebot des Öffentlichen Verkehrs. Zu volle Verkehrsmittel, wenig komfortable Fahrzeuge oder fehlendes WLAN werden von den Jugendlichen als negative Faktoren genannt. Darüber hinaus gaben mehrere Befragte an, sich nachts im ÖPNV in Großstädten nicht immer sicher zu fühlen, ohne allerdings von konkreten Vorfällen zu berichten. Verbesserungspotenzial sehen die Jugendlichen auch im Informationsangebot: Ganzheitliche Mobilitäts-Apps, die sämtliche Angebote innerhalb einer Stadt vernetzen, gelten als wichtiges Element moderner Mobilität. Mobilitäts-Apps einzelner Unternehmen werden jedoch nicht als unverzichtbar betrachtet. „Die Jugendlichen bzw. Schüler sind für unsere Branche eine der größten und wichtigsten Kundengruppen, die den ÖPNV quasi täglich nutzen und sich dementsprechend gut auskennen. Die genannten Kritikpunkte und Wünsche sind deshalb nicht nur wichtig, um unsere Angebote weiter zu verbessern, sondern werden von uns auch ernst genommen“, so Weber-Wernz abschließend.

Zum Studienansatz
Die neue Studie „Wie ticken Jugendliche 2016?“ beschreibt Wertvorstellungen von 14- bis 17-Jähringen in Deutschland sowie ihre Einstellungen zu Themen wie Flucht und Asyl, digitale Medien, Glaube, Nachhaltigkeit und Mobilität. In zahlreichen Zitaten und kreativen Selbstzeugnissen kommen die Jugendlichen dabei ungefiltert zu Wort. Die qualitative Untersuchung liefert mit der detaillierten Nachzeichnung der Lebenssituation Einzelner ein insgesamt typisches Bild für die unterschiedlichen Lebenswelten von Jugendlichen heute.
Wie in beiden Vorgängerstudien 2008 und 2012 zeigt sich auch 2016, dass es „die“ Jugend nicht gibt. Die qualitative Untersuchung des SINUS-Instituts bildet die Vielfalt der Perspektiven jugendlicher Lebenswelten ab, wobei sich an der inneren Verfasstheit der Gruppen wenig geändert hat und das im Jahr 2012 entwickelte Modell mit den sieben jugendlichen Lebenswelten bestätigt werden konnte. Erstmals wurde bei der Erhebung die Methode des Participatory Youth Research eingesetzt, bei der Jugendliche als Interviewer selbst ihre Fragen einbringen konnten.

Auftraggeber sind die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und die VDV-Akademie (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen - Akademie).

Weitere Infos: Die Studie ist bei Springer VS erschienen und erstmals digital als Open Access frei verfügbar: