Pressemitteilungen des VDV

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Besseres Angebot, bessere Erreichbarkeit: Den ÖPNV in Schleswig-Holstein jetzt sichern und modernisieren

Aktuelles Gutachten zeigt: Mehr Qualität und Angebot im ÖPNV sind nur mit dauerhaft wachsender Finanzierung möglich

Der ÖPNV in Schleswig-Holstein ist stark aufgestellt, aber ohne klare Finanzierungsperspektive gefährdet. Das zeigt das neue Leistungskostengutachten des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Es analysiert die bestehende Finanzlage und berechnet auf dieser Basis den Bedarf bis 2040. Fazit: Wenn die politischen Entscheider im Bund und im Land den Status quo sichern und das Angebot flächendeckend verbessern wollen, dann muss jährlich mehr investiert werden – in besseres Angebot, moderne Fahrzeuge und Infrastrukturen.

Der ÖPNV steht bundesweit unter Druck: Personalkosten steigen, Fahrzeuge und Infrastruktur müssen erneuert werden, Digitalisierung und Antriebswende erfordern Milliardeninvestitionen. Gleichzeitig sinkt der Finanzierungsanteil aus Fahrgeldeinnahmen – auch durch politisch gewollte Fahrpreisdeckel wie beim Deutschland-Ticket. In Schleswig-Holstein lag die Kostendeckung durch Fahrgeldeinnahmen im Jahr 2024 bei 30 Prozent, der verbleibende Finanzierungsbedarf belief sich auf rund 890 Millionen Euro. Die öffentlichen Haushalte tragen damit den Großteil der Kosten – und müssen auf wachsende Belastungen vorbereitet sein.

„Gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein ist ein attraktiver ÖPNV unverzichtbar – für Schüler, Berufspendler, ältere Menschen und für die Erreichbarkeit des ländlichen Raums“, so Jan Bleis, Vorsitzender der VDV-Landesgruppe Nord. „Das Gutachten zeigt deutlich: Wir brauchen ein klares Bekenntnis des Landes zur verlässlichen und dauerhaften Finanzierung, sonst steht die öffentliche Mobilität auf der Kippe.“

„Das Land Schleswig-Holstein muss mehr für die öffentliche Mobilität tun. Jetzt liegt mit unserem ÖPNV-Leistungskostengutachten erstmals eine fundierte und realistische Finanzprognose bis 2040 vor“, sagt Alexander Möller, Geschäftsführer ÖPNV beim VDV. „Die Länder und der Bund müssen für den ÖPNV in ganz Deutschland gemeinsam entscheiden: Wollen wir nur Mangel verwalten und das Nötigste reparieren oder wirklich in Verbesserungen und zusätzliche Angebote investieren? Der Bedarf ist da – und er wächst jedes Jahr.“

Richtungsentscheidung bei der ÖPNV-Finanzierung in Schleswig-Holstein
Mit dem Gutachten liegt ein klarer Fahrplan vor. Das Modernisierungsszenario zeigt, dass sich der Status quo mit gezielten Investitionen (plus 46 Millionen Euro pro Jahr bis 2040) umfassend modernisieren lässt, was einen Qualitätssprung des ÖPNV im Land zur Folge hätte. Ein flächendeckender Ausbau – wie im Szenario Deutschlandangebot – erfordert eine höhere Finanzierung (plus 106 Millionen Euro pro Jahr bis 2040) und damit den politischen Willen sowie einen gemeinsamen Finanzierungspakt von Bund, Ländern und Kommunen:

1. Szenario „Modernisierung 2040“ – Qualität sichern
Dieses Szenario fokussiert auf den Erhalt des bestehenden Angebots bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung:

  • Sanierung von Betriebshöfen, Werkstätten und Infrastruktur,
  • Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge,
  • Umsetzung geplanter SPNV-Reaktivierungen und S-Bahn-Ausbau,
  • Digitalisierung und Automatisierung im Betrieb.
Für Schleswig-Holstein bedeutet das bis 2040:
  • Das ÖPNV-Angebot wächst um 3 Prozent,
  • die ÖPNV-Nachfrage steigt um 8 Prozent,
  • der Finanzierungsbedarf steigt auf 1,61 Milliarden Euro pro Jahr.

2. Szenario „Deutschlandangebot 2040“ – Angebot für alle, überall
Dieses Szenario geht deutlich weiter:

  • Mindestbedienstandards für den Busverkehr – auch im ländlichen Raum,
  • Beschleunigung der SPNV-Verbindungen (zum Beispiel zwischen Kiel und Lübeck),
  • 40 Prozent mehr Angebot auf den aus Hamburg kommenden U-Bahn-Linien,
  • On-Demand-Verkehre für periphere Regionen,
  • Umsetzung des Deutschlandtakts auf der Schiene.
Für Schleswig-Holstein bedeutet das bis 2040:

  • Das ÖPNV-Angebot steigt um plus 54 Prozent,
  • die ÖPNV-Nachfrage steigt um plus 27 Prozent,
  • die ÖPNV-Güte verbessert sich im Durchschnitt von Schulnote 4,0 auf 2,8,
  • für über ein Drittel der Bevölkerung verbessert sich das ÖPNV-Angebot um zwei Güteklassen,
  • der Finanzierungsbedarf steigt auf 2,57 Milliarden Euro pro Jahr.