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Pressemitteilungen

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Die Corona-Zwischenbilanz des öffentlichen Verkehrs

Branche kämpft um Rückkehr zur Normalität; Folgen der Pandemie noch nicht abschließend einzuschätzen

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) – Branchenverband für über 600 Unternehmen des öffentlichen Personen- und des Schienengüterverkehrs – zieht eine erste Zwischenbilanz zu den coronabedingten Folgen bei Bus und Bahn: „Diese Krise hat uns aus dem Nichts und mit voller Wucht getroffen. Der öffentliche Verkehr war bis März seit Jahren auf Rekordniveau unterwegs, egal ob bei den Fahrgastzahlen, bei den Einnahmen oder bei den Transportmengen der Güterbahnen. Die Corona-Pandemie hat dieses Wachstums von heute auf morgen ausgebremst. Wir werden alles daran setzen, damit das nicht dauerhaft so bleibt. Denn wir brauchen einen leistungsstarken und wirtschaftlich gesunden öffentlichen Verkehr in Deutschland, um die nach wie vor zentralen Ziele beim Klimaschutz und der Verkehrswende sowie mit Blick auf die Daseinsvorsorge zu erreichen. Wir müssen bald wieder zur Normalität zurückfinden“, so VDV-Präsident Ingo Wortmann.

Die Branche will so schnell wie möglich wieder an die Erfolge und an das Wachstum in der Zeit vor Corona anknüpfen. Dazu haben die Unternehmen bereits zahlreiche Maßnahmen in die Wege geleitet, um Kundinnen und Kunden zurückzugewinnen und das Vertrauen in einen sicheren öffentlichen Personenverkehr zu stärken: „Wir haben unsere Hygienestandards und Reinigungsintervalle weiter erhöht. Wir informieren die Fahrgäste, dass es in Bussen und Bahnen, wenn man sich entsprechend der Vorgaben verhält, genauso sicher ist wie überall. Und wir fahren bereits seit Wochen wieder das komplette Angebot, obwohl wir durchschnittlich nur etwa die Hälfte der Normalnachfrage haben“, so Wortmann.

Das alles, da ist sich die Branche einig, ist notwendig, um Kundinnen und Kunden nachhaltig wieder für den ÖPNV zu gewinnen. Während viele Abonnenten dem ÖPNV auch in dieser Zeit die Treue halten, sind vor allem die Gelegenheitskunden und natürlich Touristen nicht mehr da bzw. auf andere Verkehrsmittel ausgewichen. Zusätzlich belasten nach wie vor die hohen Fahrgeldverluste die weiteren Planungen der Verkehrsunternehmen.

80 – 100 % Angebot bei 20 – 50 % Nachfrage führt zu 5 Milliarden Verlust
Bereits kurz nach dem Lockdown hatte der VDV in enger Abstimmung mit seinen Mitgliedsunternehmen und weiteren Verbänden der Branche ermittelt, wie sich die Einbrüche bei den Fahrgeldeinnahmen bis Jahresende auswirken würden. In zwei Szenarien, je nachdem wie lange und umfangreich die Ausgangsbeschränkungen andauerten, kamen dabei Verluste in Höhe von fünf bis sieben Milliarden Euro heraus. „Der Lockdown dauerte zum Glück nicht so lange wie im zweiten Szenario angenommen. Aber dennoch werden wir bis Jahresende rund fünf Milliarden Euro an Fahrgeldeinnahmen verlieren. Denn wir sind auch während der Ausgangsbeschränkungen im Schnitt zu 80 % das reguläre Angebot gefahren. Und das bei damals im Schnitt nur rund 20 % des sonst üblichen Fahrgastaufkommens“, so Wortmann. Inzwischen sei man zwar wieder bei durchschnittlich 40 bis 50 % der Fahrgäste, „aber die Menschen kommen nur langsam zurück in die Busse und Bahnen. Das heißt, die Einnahmen sind weiterhin deutlich geringer als kalkuliert, während die Kosten für das volle Angebot unvermindert anfallen“, so der VDV-Präsident.

Dieses umfangreiche Angebot trotz mangelnder Nachfrage sei auch mit Blick auf Abstände in den Fahrzeugen nötig und politisch gewünscht. Aus Sicht des VDV und seiner Mitgliedsunternehmen aber dauerhaft nicht unternehmerisch finanzierbar. „Wir werden aus wirtschaftlicher Notwendigkeit irgendwann Angebote einschränken müssen, wenn die angekündigten Gelder aus dem ÖPNV-Rettungsschirm nicht passgenau fließen. Es darf nicht passieren, dass wir Verkehre zurückfahren müssen, weil wir es uns nicht mehr leisten können, während ansonsten das gesamte Land wieder zum Alltag zurückkehrt und die Menschen wieder mobiler werden“, so Wortmann. Der VDV hatte daher den jüngsten Beschluss der Konferenz der Verkehrsminister/innen zur finanziellen Beteiligung der Länder am ÖPNV-Rettungsschirm ausdrücklich begrüßt, aber zugleich auch eine schnelle Umsetzung und ausreichende Flankierung durch die Länder gefordert. Der Bund hatte bereits Anfang Juni seinerseits eine Beteiligung von 2,5 Milliarden Euro am Rettungsschirm beschlossen.

Schienengüterverkehr: Verluste von rund 900 Millionen Euro
Auch der Schienengüterverkehr hat mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Nach Berechnungen des VDV ist die coronabedingte Erlöseinbuße der Güterbahnen auf rund 900 Millionen Euro zu beziffern. Der Verband fordert auch hier schnelle Lösungen. Vor allem für die zahlreichen nichtbundeseigenen Unternehmen, die im Schienengüterverkehr tätig sind, geht es zum Teil um existenzielle Fragen. „Der Schienengüterverkehr hat gerade in der Krise, als die LKWs wegen der Grenzschließungen stillstanden, seine Leistungsfähigkeit für die Versorgung der Wirtschaft und der Bevölkerung bewiesen. Dennoch gab es durch den Auftragseinbruch der Großkunden aus der Stahl- und Automobilindustrie auch wesentliche finanzielle Einbußen. Die Kosten konnten nicht in gleichem Maße reduziert werden und es gab sogar krisenbedingte Mehraufwendungen durch Abstellungen und Zwischenlagerungen oder Stornierungensentgelte. Diese Kosten müssen kurzfristig und unbürokratisch aufgefangen werden, damit der Schienengüterverkehr auch nach der Krise wieder wachsen kann. Mit Blick auf effiziente und klimafreundliche Transportketten brauchen wir in Deutschland vor allem eine starke Schiene“, so Wortmann.

Im Konjunkturpaket der Bundesregierung sind zwar einige Maßnahmen beschlossen worden, die mittelbar auch die Güterbahnen entlasten, allerdings wurden bislang keine spezifischen Hilfen für den Verlustausgleich des Schienengüterverkehrs beschlossen. „Dazu werden wir weiter mit Bund und Ländern intensiv verhandeln. Ein Stabilitätsfonds wäre zum Beispiel ein mögliches Instrument, um die finanziellen Verluste während und nach der Krise abzumildern“, so Wortmann abschließend.