Das passiert, wenn nichts passiert

Schienengüterverkehr benötigt langfristige Lösung beim Trassenpreissystem!

Mehr Güterverkehr auf der Straße, steigende Transportkosten, Engpässe in Lieferketten und leere Supermarktregale? Das alles kann passieren, wenn beim Schienengüterverkehr nichts passiert. Nur mit einer starken Schiene bleiben Lieferketten stabil und Emissionen sinken.

Deshalb forderte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gemeinsam mit der Branche: Der Bund muss die Trassenpreisförderung für den Schienengüterverkehr deutlich erhöhen.
Insgesamt ging es um eine Erhöhung von 85 Millionen Euro. Dies ist nötig, weil die Trassenpreise – die sogenannte Schienenmaut, die für jeden gefahrenen Kilometer auf der Schiene gezahlt werden muss – in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. 2025 verteuerte sich die Schienenmaut im Güterverkehr um über 17 Prozent und auch für das Jahr 2026 drohen Erhöhungen zwischen 7 und 25 Prozent.

Mit der Kampagne ‚Das passiert, wenn nichts passiert‘ haben wir vor der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses am 13. November 2025 deutlich gemacht, welche Folgen Untätigkeit hätte – für Lieferketten, für Unternehmen und natürlich für die Menschen im Land. Mit dem VDV-Positionspapier zur Reform des Trassenpreissystems haben wir zudem konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt, wie die Schiene als Ganzes wettbewerbsfähig bleiben kann. Jetzt ist es Aufgabe des Bundes, diese Reform entschlossen anzugehen und dauerhaft stabile Rahmenbedingungen zu schaffen.

„Dass die 105 Millionen Euro zur Trassenpreisförderung im Schienenpersonenfernverkehr schlussendlich freigegeben wurden, ist ein guter Zwischenschritt für Fahrgäste und Branche. Diese Entscheidung ist ein Ergebnis intensiver Gespräche des VDV mit dem Bund in den vergangenen Wochen – und zeigt, dass konstruktiver Dialog zu greifbaren Erfolgen für die Schiene führen kann.
Auch im Schienengüterverkehr drohte eine echte Kostenkrise und eine Abwanderung von Hunderttausenden Tonnen Gütern auf den Lkw. Hier hat eine konzertierte Aktion beim Bund eine Zwischenlösung gebracht, die wir begrüßen. Doch beides darf nicht darüber hinwegtäuschen: Die eigentlichen systemischen Aufgaben liegen erst noch vor uns. Jetzt ist es Aufgabe des Bundes, diese Reform entschlossen anzugehen und dauerhaft stabile Rahmenbedingungen zu schaffen.“

VDV-Vizepräsident Joachim Berends

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Verband DIE GÜTERBAHNEN zeigen sich erleichtert und dankbar über die Entschärfung der Trassenpreiskrise im Schienengüterverkehr für das Jahr 2026. Drei eng aufeinander abgestimmte Maßnahmen, die der Bundestag in den vergangenen beiden Tagen mit breiter Mehrheit der Regierungs- und teils auch Oppositionsfraktionen – beschlossen hat, verhindern einen massiven Kostenanstieg für die Eisenbahnunternehmen. Durch das koordinierte Zusammenwirken von Parlament und Bundesnetzagentur wird die ursprünglich erwartete Trassenpreissteigerung von bis zu 35 Prozent auf ein wettbewerbsverträgliches Maß im niedrigen einstelligen Bereich reduziert.

Joachim Berends, VDV-Vizepräsident: „Die Trassenpreiserhöhung der DB InfraGO hätte in der bisherigen Planung den Wettbewerb auf der Schiene massiv geschwächt. Nun ist klar: Durch administrativen Mut, die richtige Priorisierung von Bundesmitteln und regulatorisches Eingreifen konnte der Anstieg auf ein wettbewerbsverträgliches Maß reduziert werden – ein wichtiger Zwischenerfolg für die Schiene im Jahr 2026. Grundsätzlich bleibt die Trassenpreisreform jedoch unverzichtbar, hier muss das Bundesverkehrsministerium handeln – als Branchenverband bieten wir hier weiter unsere Hilfe an.“

Die Maßnahmen im Einzelnen

1

Gesetz zur Abmilderung des Trassenpreisanstiegs: Die Verzinsung des Eigenkapitals der DB AG wird gesetzlich von 5,2 auf 1,9 Prozent abgesenkt und fixiert – statt wie ursprünglich den Mittelwert zwischen risikolosen und marktüblichen Zinssatz – 2025 etwa bei 2,2 Prozent – anzusetzen. Das verschafft der Branche allein 2026 eine Entlastung von rund 75 Millionen Euro und reduziert Unsicherheiten für die Folgejahre. Der gesetzliche Gewinnanspruch der DB InfraGO bleibt jedoch grundsätzlich bestehen und ist Teil der langfristig zu lösenden Aufgaben im Rahmen der angekündigten Trassenpreisreform.

2

Vorzeitige Bindung von Bundeszuschüssen: Durch früher als geplant für verbindlich erklärte Bundesmittel für Instandhaltungsmaßnahmen kann die DB InfraGO den Anteil der Trassenpreiseinnahmen für diesen Zweck und damit die Trassenpreise senken. Bundesverkehrsministerium und DB sind nun gefordert, die entsprechende Mittelzusage und den nachfolgenden Änderungsantrag bei der Bundesnetzagentur vorzubereiten. Die Maßnahme wirkt allerdings nur für 2026, sie könnte im Zuge der angekündigten Reform des Trassenpreissystems jedoch dauerhaft verankert werden.

3

Verwendung von LUFV-III-Pönalen zur Trassenpreisförderung: Zu erstattende Mittel der DB InfraGO aus LUFV-Pönalen können 2026 zur Trassenpreisförderung eingesetzt werden. Da der genaue Umfang und die endgültige Verfügbarkeit dieser Mittel noch in Klärung sind, ist der Umfang die Umschichtung jedoch nicht abschließend gesichert. Das Instrument ist in der aktuellen Marktlage hilfreich, ersetzt aber keine langfristig gesicherte Finanzierungsbasis.

Warum die Trassenpreise reformiert werden müssen

Die Eisenbahnunternehmen in Deutschland sind seit Jahren mit steigenden Trassenpreisen konfrontiert. Neben Inflation und gestiegenen Instandhaltungskosten sind auch politische Entscheidungen dafür verantwortlich.
Die Trassenpreise sind für viele Bahnen im Güter- und Personenverkehr kaum noch zu stemmen – ein „Weiter so“ gefährdet die wirtschaftliche Basis der Schiene und damit das Rückgrat einer nachhaltigen Verkehrswende.

Der VDV und weitere Branchenverbände haben daher ein gemeinsames Konzept für ein neues Trassenpreissystem vorgelegt. Ziel ist es, den Schienenverkehr wettbewerbsfähig zu halten, faire Preise zu schaffen und Investitionen zu sichern.

Die Branche erwartet von der Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform des Trassenpreissystems nun umgehend umzusetzen.
Ziel muss es sein, spätestens 2027 ein neues Trassenpreissystem in Deutschland einzuführen. Bis dahin braucht es eine höhere Förderung der Trassenpreise für den Schienengüter und -personenfernverkehr.

Drei Ziele für die Reform des Trassenpreissystems

1

Absenkung des Preisniveaus:
Die Trassenpreise müssen deutlich sinken, damit die Bahn wirtschaftlich tragfähig bleibt. Eine Orientierung am EU-weit empfohlenen Grenzkostenmodell ist der richtige Weg, kombiniert mit einer zusätzlichen finanziellen Beteiligung des Bundes von rund zwei Milliarden Euro jährlich.

2

Faire Preisstruktur:
Die Infrastrukturkosten müssen gerecht über alle Verkehrsarten verteilt werden. Nur so lassen sich Wettbewerbsnachteile für den Schienenverkehr vermeiden – insbesondere im Vergleich zur Straße.

3

Verlässlicher Preispfad:
Für mehr Planungssicherheit braucht es einen gesetzlich verankerten Preispfad über fünf Jahre, ähnlich der Lkw-Maut. Das schafft Verlässlichkeit für Unternehmen und den Bund.

Kombinierter Verkehr: Zusammenarbeit von Schiene und Straße stärken

Der Kombinierte Verkehr, also die intelligente Verknüpfung von Schiene und Straße, ist ein Schlüssel zur Verlagerung von Gütern auf die Schiene. Ohne ausreichende Trassenpreisförderung leidet zuerst der Kombinierte Verkehr: Denn Güter, die eigentlich umweltfreundlich auf der Schiene transportiert werden könnten, verbleiben komplett auf der Straße – meist dauerhaft.
Das erhöht CO₂-Emissionen, schafft zusätzlichen Straßenverkehr und verschärft den Fachkräftemangel im Straßengüterverkehr. Nur durch stabile Trassenpreise und faire Rahmenbedingungen kann der Kombinierte Verkehr wachsen und seine volle Klimawirkung und Verkehrswirkung entfalten.

Jetzt handeln – für eine starke Schiene und stabile Wirtschaft

Eine Reform des Trassenpreissystems ist mehr als ein technisches Detail. Sie ist ein entscheidender Hebel für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität. Bis diese Reform greift braucht es aber ausreichende Förderungen.

Deshalb gilt: Wenn die Politik jetzt nicht handelt, werden die Folgen bald alle spüren: auf der Straße, im Supermarkt und in der gesamten Wirtschaft. Das passiert, wenn nichts passiert.

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