Stimmen zur Charta

Seit Jahren sinkt die Zahl der Gleisanschlüsse, wodurch auch die chemische Industrie, besonders in NRW, immer weniger die Möglichkeit hat, Verkehre zwischen zwei Gleisanschlüssen abzuwickeln. Das passt überhaupt nicht zum verkehrspolitischen Ziel, Verkehre auf die sichere und umweltfreundliche Schiene verlagern zu wollen ohne kostenaufwendige Zwischenschritte. Auch aus Sicht der Kunden ist es deshalb höchste Zeit für eine Stärkung von Gleisanschlüssen und kundennahen Zugangsstellen zu sorgen und dies mit effizienten und vereinfachten Antrags- und Genehmigungsverfahren und einer höheren finanziellen Förderung.

Gerd Deimel · Sprecher VCI-NRW Aktionsbündnis Infrastruktur

Die Bauer Spedition hat sich aus guten Gründen für einen eigenen Gleisanschluss entschieden. Der Weg bis zur Inbetriebnahme war allerdings sehr zeit- und kostenintensiv. Als Spediteur fällt mir ein Vergleich mit den anderen Verkehrsträgern insbesondere der Straße sehr leicht. Und dann frage ich mich, warum der Bau und Betrieb eines eigenen Gleisanschlusses so schwierig und komplex sein muss. Diese Auswirkungen beeinflussen schließlich die Kalkulation, was der Kunde so nicht akzeptiert, er will einfache und unkomplizierte Lösungen.

Tino Bauer · Geschäftsführer · Bauer Spedition GmbH

Die Gleisanschlussförderung des Bundes hilft uns Verladern, die Schiene intensiver nutzen zu können. Allerdings enthält die aktuelle Förderrichtlinie bestimmte Bedingungen, die sehr viel Aufwand für Antragsteller bedeuten und konkrete Vorhaben sogar ausbremsen können. Darüber sollten wir den Dialog zwischen den Beteiligten intensivieren und gemeinsam nach sinnvollen Lösungen suchen.

Jes-Christian Hansen · Prokurist · HaBeMa Futtermittel GmbH & Co. KG

Nur wenn ein Gleisanschluss an das öffentliche Eisenbahnnetz angeschlossen ist, können darüber auch Verkehre mit Lieferanten und Kunden abgewickelt werden. Der Anschluss an das Netz kostet aber viel Geld, das in der Regel hauptsächlich vom Gleisanschließer aufzubringen ist. Kein Wunder, dass wegen hoher Zusatzkosten Gleisanschlüsse aufgeben bzw. nicht gebaut werden. Hier muss sich die öffentliche Hand finanziell deutlich mehr engagieren.

Dr. Agnes Eiband · Geschäftsführerin ERFA Gleisanschluss GmbH

In unserer Region wurden zahlreiche Abstellgleise und Rangieranlagen zurückgebaut. Die Flächen wurden zum Teil für immer umgewidmet. Dadurch fehlt uns heute Gleiskapazität für Zugbildung/-auflösung und Abstellungen. Damit wird es immer schwieriger, Gleisanschlüsse zu attraktiven Bedingungen zu bedienen und anspruchsvolle Wagengruppensysteme anzubieten. Teilweise scheitert eine Bedienung von Anschlüssen hierdurch ganz. Die Förderung von Gleisanschlüssen wird nur dann ihre volle Wirkung erzielen, wenn auch die vorgelagerte Gleisinfrastruktur berücksichtigt wird und dort wieder ausreichende Kapazitäten in technisch einwandfreiem Zustand geschaffen werden.

Marcel de la Haye · Geschäftsführer Dortmunder Eisenbahn GmbH · Ein Unternehmen der Captrain Deutschland-Gruppe

Wir hatten einmal einen aktiven Gleisanschluss. Den würden wir gern wieder nutzen, denn wir kennen aus langjähriger Erfahrung die logistischen Vorteile eines eigenen Gleisanschlusses. Externe Faktoren hindern uns aber daran, wieder Wagenladungsverkehre über unseren Gleisanschluss abzuwickeln. Damit stellt sich die Frage, warum ein Unternehmen in einen eigenen Gleisanschluss investieren soll, wenn sein Anschluss an das öffentliche Netz und/oder seine Bedienung in Gefahr geraten können. Solche Szenarien kennt der Straßengüterverkehr übrigens nicht.

Ralf Niess · Leiter Logistik · Häffner GmbH & Co. KG

Auch der kommunale Raum leidet unter dem zunehmenden Lkw-Verkehr. Es geht ja nicht nur um den Stau auf den Autobahnen, sondern auch um die täglichen Verstopfungen regionaler Straßen und die Belastung der Bevölkerung durch Lärm und Abgase. Daher haben die Kommunen ein großes Interesse daran, dass mehr Güter auf der Schiene am Stau vorbei bis in die Gleisanschlüsse und kundennahen Zugangsstellen transportiert werden. Dafür bedarf es aber auch Flächen für die Ansiedlung bahnbasierter Transportkonzepte, Verbesserungen bei der Raumplanung und einer unterstützenden Wirtschaftsförderung.

Rouven Kötter · Mobilitätsdezernent des Regionalverband FrankfurtRheinMain

Multimodale Knoten wie See- und Binnenhäfen sowie Logistik-, Industrie- und Gewerbeparks sind Heimat zahlreicher Gleisanschlüsse und wichtige Bündelungspunkte für Bahnverkehre. Ihnen sollte in der regionalen Verkehrsplanung eine zentrale Rolle eingeräumt werden. Insbesondere die Binnenhäfen als trimodale Standorte ermöglichen eine optimale Verknüpfung der Verkehrsträger und sollten bei verkehrspolitischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden. Wegen fehlender Kapazitäten in vorgelagerten Infrastrukturen können zahlreiche Häfen die hohe Nachfrage nach Bahnverkehren nicht bedienen. Manche Maßnahmen zur Kapazitätssteigerung könnten sogar mit vergleichsweise wenig Geld umgesetzt werden.

Elisabeth Lehnen · Geschäftsführerin Hafen Krefeld GmbH & Co. KG

Immer mehr Speditionen nutzen den Kombinierten Verkehr und tragen so aktiv zur Verkehrsverlagerung bei. Immer mehr Speditionen investieren aber auch in den eigenen Gleisanschluss – um z. B. darüber multimodale Verkehre abzuwickeln. Dafür benötigen sie auch den Zugang zum Wagenladungsverkehr und hier insbesondere zum Einzelwagenverkehr. Aus Sicht der Speditionen ist es zur Steigerung des Transportaufkommens sehr sinnvoll, auch in diesem Bereich zu vergleichbaren Kooperationsmodellen zu kommen wie im Kombinierten Verkehr.

Axel Plaß · Geschäftsführer der Konrad Zippel Spediteur GmbH & Co. KG und Präsident des DSLV Bundesverbandes Spedition und Logistik e. V. (DSLV)

Dem eigenen Gleisanschluss und dem Schienengüterverkehr haftet in einigen Kreisen das Image „veraltet“ an. Die derzeit im Schienengüterverkehr eingesetzte Technik wirkt insbesondere in Unternehmen, in denen ein hohes Maß an Digitalisierung und Automatisierung entscheidend zum Unternehmenserfolg beiträgt, oft wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Tatsächlich kann aber die Schiene als spurgebundenes System auch auf der ersten und letzten Meile durch moderne Technik begeistern. Durch passgenaue Lösungen steigt so die Effizienz und die Logistikfähigkeit, die Kunden erfahren und nutzen wollen.

Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen · Institutsleiter, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML)