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Mobilität im ländlichen Raum stärken

Bevölkerungsrückgang und demografischer Wandel waren viele Jahre die Hauptfaktoren für sinkende Fahrgastzahlen im ÖPNV in ländlichen Regionen. Nur mit hohem Aufwand und vor allem einem höheren Zuschussbedarf konnten die Verkehrsunternehmen vor Ort häufig nur noch ein Grundangebot an Bus- und Bahnverbindungen aufrechterhalten. Doch seit einigen Jahren lassen sich laut Statistischem Bundesamt in vielen Kreisen und Gemeinden deutschlandweit nicht nur stabile, sondern sogar steigende Einwohnerzahlen feststellen. Gründe dafür sind unter anderem bezahlbarer Wohnraum und eine leicht steigende Geburtenrate. Diese Entwicklung ist eine Chance für den ÖPNV, um hier durch attraktive Angebote wieder Fahrgäste zu gewinnen.

Seit 2010 lassen sich in fast allen Kreistypen stabile oder sogar steigende Einwohnerzahlen feststellen. Auch die Randregionen von Kernstädten und verdichteten Kreisen gewinnen mehr Einwohner. Gründe dafür sind günstiger Wohnraum, die allgemein gute wirtschaftliche Entwicklung sowie eine leicht steigende Geburtenrate. Auf der anderen Seite sind Bevölkerungsrückgänge in abgelegeneren Regionen und der demografische Wandel mit einer älter werdenden Bevölkerung immer noch eine Herausforderung für den ÖPNV vor Ort. So ist hier Verkehrsmittel Nummer eins immer noch das Auto. Der ÖPNV-Anteil am Modal Split liegt bei lediglich fünf Prozent. Während sich die Einwohnerzahlen in vielen Regionen stabilisieren oder wachsen, gehen sie in Gebieten jenseits der Hauptverkehrsachsen zurück. Hier steht die Mobilitätssicherung der verbliebenen Einwohner im Fokus. In diesen Regionen ist das Mobilitätsangebot weitgehend auf den Schülerverkehr und zu wenig auf die Bedürfnisse aller Kundengruppen ausgerichtet. Immer mehr Menschen pendeln in die Zentren – die Folge sind steigende Emissionen.

„Der ländliche Raum in Deutschland hat ein großes Potenzial, um Emissionen im Verkehr zu mindern und ist zudem sehr vielfältig. Die Palette reicht von Regionen mit erfolgreichen Unternehmen und einer Vielzahl von Arbeitsplätzen bis zu Gebieten mit einer hohen Attraktivität für Erholungssuchende. Der ländliche Raum darf daher nicht vom ÖPNV abgehängt werden, sondern braucht eine Offensive mit auf die jeweilige Situation maßgeschneiderten, flexiblen Angeboten. Im Rahmen der Daseinsvorsorge muss daher eine bezahlbare, verlässliche Mobilität in der Fläche gesichert sein.“

Ingo Wortmann · VDV-Präsident und Vizepräsident Personenverkehr Bus

Der Schlüssel für die Zukunft des ÖPNV in der Fläche liegt vor allem in der „differenzierten Bedienung“. Dabei werden verschiedene Mobilitätsangebote bestmöglich aufeinander abgestimmt.

Quelle: "VDV Das Magazin" (2/2018)

Die wesentlichen Bestandteile der Mobilität in ländlichen Räumen sind ein übergeordnetes Hauptnetz von Bahnen und Bussen im Taktverkehr als Rückgrat. Ergänzt wird es von lokalen Linienverkehren, die von den Haltepunkten des Hauptnetzes aus eine Region erschließen. Flexible Bedienformen wie Rufbusse, die mit alternativen Mobilitätsangeboten wie Car-, Bike- oder Ridesharing kombiniert werden, optimieren das Angebot im ländlichen Raum.

Rufbusse: Schon vor 40 Jahren verkehrten im Rahmen eines Forschungsprojekts der „Rufbus“ in Friedrichshafen und „Retax“ (R-Bus) in Wunstorf bei Hannover – zwei rechnergestützte Systeme mit automatischer Tourenoptimierung. Der „Rufbus“ am Bodensee wurde eingestellt und das Retax-System aufgrund gestiegener Nachfrage in den regulären Linienverkehr überführt. Beide Modellvorhaben konnten wertvolle Aufbauarbeit leisten und wichtige Erkenntnisse liefern: Flexible Bedienformen können nicht allein aus Fahrgeldeinnahmen kostendeckend betrieben werden und sind für bestimmte Einsatzbereiche geeignet. Daher müssen sie regelmäßig auf Abrufungsgrad, Auslastung und Zuschussbedarf überprüft werden.

BMVI

Planungsleitfaden „Mobilitäts- und Angebotsstrategien in ländlichen Räumen“ mit kostenfreien Software-Werkzeugen: Auf Initiative des VDV hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ein Forschungsvorhaben zu Handlungsmöglichkeiten von ÖPNV-Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen in ländlichen Räumen durchgeführt, das im Jahr 2016 abgeschlossen wurde. Im Rahmen des Vorhabens wurde ein Planungsleitfaden mit vier Software-Werkzeugen zur Planung und Bewertung flexibler Bedienformen entwickelt. In dem Planungsleitfaden sind leicht nutzbare Informationen über strategische Herangehensweisen, Planungsansätze und wirtschaftliche Grundlagen zur Integration flexibler und alternativer Angebote zusammengetragen und in eine Gesamtstrategie zur Sicherung der Mobilität eingebettet. Der Planungsleitfaden steht Ihnen auf dieser Seite zum Download zur Verfügung. Die Software-Werkzeuge der Toolbox ÖPNV können Sie mit dem untenstehenden Bestellformular unter der Mailadresse toolbox_oepnv@89e8a345d0014271bd055101cfedb18evdv.de kostenfrei bei der VDV-Hauptgeschäftsstelle anfordern.

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