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Handlungsoffensiven für die Mobilitätswende

Nur mit einer Mobilitätswende sind die nationalen Klimaschutzziele
im Verkehr zu erreichen!

Eine Stadt, die eine bessere Qualität und Nutzbarkeit des öffentlichen Raums für die Menschen schafft und deutlich weniger durch den Autoverkehr belastet ist. Das ist die Vision – die Mobilitätswende zeichnet den Weg dahin. Ob sie gelingt, wird darüber entscheiden, wie gesund, nachhaltig und lebenswert unsere Städte zukünftig sein werden. Wenn die Mobilitätswende Realität werden soll, sind Gesellschaft, Politik, Verwaltung und ÖV-Branche gleichermaßen gefordert.

Durch die Corona-Pandemie und deren nach wie vor nicht restlos absehbaren Folgen hat sich diese Vision nicht grundlegend geändert. Obwohl die Sorge vor der Verbreitung des Virus zu teilweise dramatischen Nachfrageeinbrüchen im öffentlichen Verkehr geführt hat, muss die Mobilitätswende in einem längeren Zeithorizont gedacht werden. Trotz ihrer vielfältigen negativen Folgen hat die Pandemie auch Innovationen hervorgebracht – etwa im Bereich der digitalen Angebote. Dieser Wille, Kundinnen und Kunden mit attraktiven Verkehrsangeboten zurückzugewinnen, aber auch neue Segmente zu erschließen, müssen für die Zukunft konsequent weiterverfolgt werden.

„Der fortschreitende Klimawandel und die Bewältigung sowie Folgen der Corona-Pandemie stellen die größten Herausforderungen unserer Zeit dar. Um die Klimaziele zu erreichen, sind Anstrengungen auf allen Ebenen und Sektoren notwendig, insbesondere auch im Verkehr. Der öffentliche Verkehr bleibt bei der Mobilitätswende ein entscheidender Akteur, denn er ist die Lösung für klimafreundlichen Verkehr. Unbenommen der Corona-Pandemie müssen angesichts der Vorlaufzeiten bereits heute die Entscheidungen getroffen werden, um ÖPNV, Rad- und Fußverkehr zu stärken, damit sie ihren Beitrag zur Mobilitätswende leisten können.“

Prof. Knut Ringat · VDV-Vizepräsident

Handlungsoffensiven für eine nachhaltige Mobilitätswende

Um die CO2-Reduzierungsziele im Verkehrssektor zu erreichen, muss der Modal-Split-Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr bis 2030 um ein Drittel höher sein als heute. Dies ist nur erreichbar, wenn gleichzeitig der Autoverkehr verringert und der Umweltverbund aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr gefördert wird (Push- und Pull-Maßnahmen). Dies erfordert Handlungsoffensiven für eine nachhaltige Mobilitätswende:

1

Angebotsoffensive | Mehr Angebot und mehr Qualität für mehr Fahrgäste

2

Infrastrukturoffensive | Mehr ÖPNV-Vorrang und mehr Kapazität

3

Finanzierungsoffensive | Ergänzende Finanzierungswege für Angebots- und Infrastrukturverbesserungen

4

Vernetzungsoffensive | Digitalisierung und Verknüpfung des ÖPNV mit innovativen Angebotsformen im Mobilitätsverbund

5

Gestaltungsoffensive | Bessere Planungsstrukturen für beschleunigte Prozesse sowie umfassende Branchenlösungen

6

Kommunikationsoffensive |  Gezielte Kommunikation für mehr Veränderungsbereitschaft sowie Zugangsfähigkeit zum ÖPNV

„Der ÖPNV hat vor der Corona-Pandemie mit einer starken Nachfrageentwicklung unter Beweis gestellt, dass er als Rückgrat des Umweltverbundes wichtiger Teil der Mobilitätswende ist. Zum Kern einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie gehört dabei jedoch nicht nur ein erfolgreicher Umweltverbund. Vielmehr sind sowohl Autoverkehre zu vermeiden, zu verlagern und stadtverträglich abzuwickeln als auch ein menschlicher Maßstab zum Ausgangspunkt für die Planung lebenswerter Städte zu machen. Dies setzt auf der kommunalen Ebene ein klares Bekenntnis der Politik zum Mobilitätswandel voraus. Es bedarf neuer Zielkonzepte, damit Politik und Verwaltung die Zukunft selbst aktiv gestalten und notwendige einschneidende Maßnahmen getroffen werden können."

Tim Dahlmann-Resing · Vorsitzender des Allgemeinen Ausschusses für Planung und Mitglied des VDV-Präsidiums

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VDV-Leistungskostengutachten zur Finanzierung der öffentlichen Mobilität

Mit dem aktuellen „VDV-Leistungskostengutachten der öffentlichen Mobilität“ sind fundierte Annahmen zum Finanzbedarf und der politisch-gestalterischen Grundsätze eines Lösungsrahmens für das Erreichen der nationalen Klimaziele vorgelegt worden: Zur Umsetzung der Klimaschutzziele ist demnach eine Steigerung der Verkehrsleistung um 24 Prozent im Personenverkehr notwendig, zu deren Erreichen ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf von ca. 11 Mrd. Euro im Jahr 2030 ermittelt worden.

Gemeinsam kommen wir besser weiter

Es muss schnell reagiert werden. Denn es geht jetzt darum, das Vertrauen der Fahrgäste wieder zugewinnen. Wenn am Ende der private Autoverkehr der Gewinner der Corona-Pandemie ist, dann würde das die Klimakrise und die Verkehrsprobleme in den Städten weiter verschärfen.

Aus diesem Grund setzen wir uns gemeinsam mit Bund, Ländern und Verkehrsunternehmen mit der deutschlandweiten Gemeinschaftskampagne #BesserWeiter dafür ein, das Vertrauen der Fahrgäste zu stärken.

Kommunen können Krisenerfahrung als Chance für Verkehrswende nutzen

Für Bund, Länder und Kommunen bietet sich aufgrund der Erfahrungen aus dem vergangenen halben Jahr die Gelegenheit, den Wandel hin zu einer krisenfesten und klimagerechten Mobilität zu beschleunigen. Das geht aus einer Studie hervor, die der Thinktank Agora Verkehrswende gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), dem Deutschen Städtetag, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) erarbeitet hat. Untersucht wurden die Veränderungen im Stadtverkehr seit Beginn der Corona-Pandemie, die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen und der Handlungsbedarf bei Bund und Ländern.

ÖPNV als Rückgrat – auch für krisenfeste Mobilität
Der Handlungsbedarf im öffentlichen Verkehr hat sich laut Studie durch die Folgen der Pandemie deutlich verschärft. Verkehrsunternehmen müssten mehr investieren, um Hygienekonzepte umzusetzen, bei weniger Fahrgästen und dadurch weniger Einnahmen. Hinzu komme der ohnehin angestrebte und notwendige Ausbau des Angebots. Neben den aktuellen Sonderförderprogrammen müssten Bund und Länder über den bislang schon geleisteten Eigenanteil der Kommunen hinaus auch langfristig für eine solide Kofinanzierung aus Steuermitteln sorgen. Digitalisierung könne dazu beitragen, das System effizienter zu steuern und Dienstleistungen zu kombinieren.

Dr. Volker Deutsch, Fachbereichsleiter Integrierte Verkehrsplanung beim VDV: „Die Herausforderungen werden nach Corona die gleichen sein wie vorher, sobald sich die Pendler- und Verkehrsströme normalisieren. Deshalb muss weiter kontinuierlich an einer Politik der Mobilitätswende – mit mehr ÖPNV, Rad- und Fußverkehr – gearbeitet werden. Im ÖPNV bedarf es dazu einer Angebots- und einer Infrastrukturoffensive, die umgehend eingeleitet werden muss. Hierbei helfen zusätzliche Finanzierungswege. Neben den bereits verbesserten Fördermöglichkeiten bei der Schieneninfrastruktur bedarf es einer Digitalisierungsoffensive sowie der Förderung hochwertiger Bussysteme.“

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