Die Zukunft der Schiene
Leistungsfähig, klimafreundlich und unverzichtbar
Die Schiene ist das Rückgrat einer nachhaltigen und leistungsfähigen Mobilität. Sie verbindet Städte und Regionen, sichert industrielle Lieferketten und ermöglicht es, große Mengen an Personen und Gütern sicher und energieeffizient zu transportieren.
Damit die Schiene diese Aufgaben auch künftig erfüllen kann, braucht sie ausreichend Kapazität, eine moderne und zuverlässige Infrastruktur sowie wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen. Doch das Netz ist vielerorts überlastet und sanierungsbedürftig. Gleichzeitig belasten steigende Infrastrukturkosten, hohe Trassenpreise und unsichere Förderbedingungen die Eisenbahnunternehmen. Die Zukunft der Schiene entscheidet sich deshalb nicht allein an einzelnen Bauprojekten. Notwendig ist eine langfristige Strategie, die Erhalt, Ausbau, Digitalisierung, Elektrifizierung und den wirtschaftlichen Betrieb der Verkehre zusammenführt.
Schiene unter wirtschaftlichem und infrastrukturellem Druck
Die Lage des Schienenverkehrs ist angespannt. Im Schienengüterverkehr gingen Betriebs- und Verkehrsleistung 2025 jeweils um mehr als fünf Prozent zurück. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Nutzung der Infrastruktur und wichtige Förderprogramme sollen im Bundeshaushalt 2027 gekürzt werden.
Der Regierungsentwurf sieht zwar höhere Mittel für den Aus- und Neubau von Schienenwegen vor. Zugleich sollen jedoch die Mittel für den Erhalt des Bestandsnetzes, die Digitalisierung, die nicht bundeseigene Eisenbahninfrastruktur und zentrale Förderinstrumente sinken.
Eine leistungsfähige Schiene braucht beides: Investitionen in neue Kapazitäten und eine verlässliche Finanzierung des bestehenden Netzes und der darauf angebotenen Verkehre.
Aktueller Stand: Bundeshaushalt 2027
Für die Bundesschienenwege sind im Regierungsentwurf rund 20,8 Milliarden Euro vorgesehen. Positiv ist der deutliche Aufwuchs beim Aus- und Neubau. Problematisch sind dagegen die Kürzungen beim Erhalt, bei ERTMS und Digitalisierung sowie bei mehreren Förderprogrammen für den Schienenverkehr.
Besonders betroffen sind:
die Trassenpreisförderung im Schienenpersonenfernverkehr,
die Infrastruktur nicht bundeseigener Eisenbahnen.
Der VDV fordert, diese Kürzungen im parlamentarischen Verfahren zu korrigieren und eine transparente, mehrjährige Finanzierung der Schiene sicherzustellen.
Was die Schiene jetzt braucht
Das bestehende Schienennetz muss verlässlich finanziert, saniert und leistungsfähiger gemacht werden. Gleichzeitig braucht Deutschland zusätzliche Kapazitäten für den Personen- und Güterverkehr.
Aus- und Neubau dürfen nicht gegen die Erhaltung des Bestandsnetzes ausgespielt werden. Beide Aufgaben müssen langfristig und überjährig finanziert werden. Kleine und mittlere Maßnahmen können dabei häufig schneller zusätzliche Kapazität und betriebliche Verbesserungen schaffen.
Hohe und stark steigende Trassenpreise gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Eisenbahnunternehmen. Sie belasten den Schienengüterverkehr, den Schienenpersonenfernverkehr und mittelbar auch den Schienenpersonennahverkehr.
Der VDV fordert deshalb eine grundlegende Reform des Trassenpreissystems. Ziel müssen ein deutlich niedrigeres Preisniveau, eine faire Verteilung der Infrastrukturkosten und ein gesetzlich verankerter, verlässlicher Preispfad sein.
Bis die Reform greift, braucht es eine auskömmliche Trassenpreisförderung. Die im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 vorgesehenen Kürzungen müssen zurückgenommen werden.
Die Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik ist entscheidend für mehr Qualität, Kapazität und Interoperabilität im europäischen Eisenbahnverkehr.
ERTMS und ETCS können dazu beitragen, den Betrieb leistungsfähiger und effizienter zu machen. Dafür braucht es jedoch eine abgestimmte Ausrüstung von Infrastruktur und Fahrzeugen sowie verlässliche Förderbedingungen für die Eisenbahnunternehmen.
Kürzungen und kurzfristige Änderungen bei der Finanzierung gefährden Investitionen, die über viele Jahre geplant und umgesetzt werden müssen.
Noch immer sind große Teile des deutschen Schienennetzes nicht elektrifiziert. Der Ausbau kommt zu langsam voran.
Notwendig sind schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, standardisierte Lösungen und eine verlässliche Finanzierung. Wo eine vollständige Elektrifizierung nicht zeitnah möglich ist, können alternative Antriebe eine sinnvolle Ergänzung sein.
Ziel muss ein möglichst durchgängig elektrisch betriebener Schienenverkehr sein.
Nicht bundeseigene Eisenbahninfrastrukturen sind ein wichtiger Teil des deutschen Schienennetzes. Sie sichern regionale Verbindungen, erschließen Industrie- und Logistikstandorte und erhöhen die Resilienz des Gesamtsystems.
Ihre Bedeutung wächst auch für den Güterverkehr, den Katastrophenschutz und die militärische Mobilität. Die vorgesehene Kürzung der NE-Infrastrukturförderung steht deshalb im Widerspruch zum tatsächlichen Investitionsbedarf.
Der Bund muss die Förderung dieser Infrastrukturen deutlich stärken und dauerhaft absichern.
Der Schienengüterverkehr entlastet Straßen, reduziert Emissionen und sichert industrielle Lieferketten. Damit mehr Transporte auf die Schiene verlagert werden können, müssen die Verkehre wirtschaftlich tragfähig und die notwendigen Zugangsstellen verfügbar sein.
Dafür braucht es:
- wettbewerbsfähige Trassenpreise,
- leistungsfähige Gleisanschlüsse und Terminals,
- eine stabile Förderung des Kombinierten Verkehrs,
- verlässliche Bedingungen für den Einzelwagenverkehr,
- ausreichend Kapazität im Schienennetz.
Reaktivierte Bahnstrecken können Städte und Gemeinden wieder an das Schienennetz anbinden und die Mobilität im ländlichen Raum verbessern. Der VDV und die Allianz pro Schiene schlagen die Reaktivierung von 325 Strecken mit insgesamt 5.426 Kilometern Länge vor. Dadurch könnten 379 Städte und Gemeinden mit mehr als 3,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern wieder einen Anschluss an das Schienennetz erhalten.
Damit geeignete Projekte schneller umgesetzt werden können, müssen Planung, Finanzierung und Genehmigung weiter vereinfacht werden.
Die Finanzierung des Schienenverkehrs verteilt sich inzwischen auf mehrere Einzelpläne, Sondervermögen und Förderprogramme. Das erschwert die politische Steuerung und macht langfristige Planungen für Unternehmen und Infrastrukturbetreiber schwieriger.
Der VDV fordert deshalb:
- eine transparente und mehrjährige Finanzierung,
- überjährige Verfügbarkeit zugesagter Mittel,
- klare Zuständigkeiten und nachvollziehbare Mittelströme,
- Planungssicherheit für Infrastruktur und Eisenbahnverkehrsunternehmen,
- eine Finanzierung, die Ausbau, Erhalt und Betrieb gemeinsam betrachtet.
Schiene stärkt Wirtschaft und Resilienz
Eine leistungsfähige Eisenbahn ist nicht nur für Klimaschutz und Mobilität wichtig. Sie ist Teil der kritischen Infrastruktur Deutschlands. Schienenwege und Eisenbahnunternehmen sichern Lieferketten, verbinden Industriestandorte und gewährleisten Mobilität auch in Krisenlagen. Zugleich sind sie von wachsender Bedeutung für Zivil- und Katastrophenschutz sowie für militärische Mobilität.
Investitionen in die Schiene stärken deshalb die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Resilienz des gesamten Landes.
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Die zentralen Forderungen des VDV
Damit die Schiene ihre Aufgaben erfüllen kann, braucht es jetzt:
- eine verlässliche Finanzierung für Erhalt, Aus- und Neubau,
- eine grundlegende Reform des Trassenpreissystems,
- ausreichend Mittel für Digitalisierung und ERTMS,
- eine beschleunigte Elektrifizierung,
- eine stärkere Förderung nicht bundeseigener Eisenbahnen,
- stabile Bedingungen für Schienengüterverkehr, Kombinierten Verkehr und Einzelwagenverkehr,
- schnellere Planung und Umsetzung von Ausbau- und Reaktivierungsprojekten.
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