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Personal- und Fachkräftebedarf im ÖPNV 

Die Mobilitätsbranche wächst und für das Erreichen der Klimaschutzziele im Verkehrssektor hat der öffentliche Verkehr eine zentrale Bedeutung. Ziel ist es, dass bis 2030 ein Drittel mehr Busse und Bahnen als heute unterwegs sind und ein Viertel mehr Güterverkehr über die Schiene laufen. Auf der anderen Seite steigt der Fachkräftemangel weiter: Bis 2030 müssen rund 74.000 altersbedingt freiwerdende Stellen im ÖPNV wiederbesetzt werden. Es wird daher für die Verkehrsunternehmen eine Stärkung der Personal- und Employer-Branding-Strategie erforderlich sein. 

Personalstrategisches Papier

Das personalstrategische Papier des VDV-Ausschusses für Personalwesen zeigt die ganze Breite der Herausforderungen im Personalbereich auf. In acht Kapiteln – von Digitalisierung, Unternehmenskultur, Führung, über Personalentwicklung und Diversität bis hin zu Finanzierung, Tariftreue und Personalsicherung – werden die Herausforderungen für die Branche und erste Lösungsansätze beschrieben.

„Mit Macht drängen neue Akteure in den Markt. Mobilität hat sich zu einem Wachstumsfeld entwickelt. Gleichzeitig werden die ehrgeizigen verkehrlichen Klimaschutzziele nur mit mehr Bus- und Bahn-Angebot erreicht werden können. Dabei kommt den Beschäftigten eine zentrale Rolle zu. Als Branche stellen wir uns der neuen Realität des Arbeitnehmermarktes, des Generationenwechsels, der Arbeits-Flexibilisierung, der tiefgreifenden Digitalisierung. Die Verkehrsunternehmen sind bereit, sich dieser Transformation im Personalbereich zu stellen und die darin liegenden Chancen zu nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken.“

Harald Kraus · Vorsitzender des VDV-Personalausschusses und Arbeitsdirektor der Dortmunder Stadtwerke DSW21

VDV-Branchenumfrage 2021: Personal als strategische Herausforderung für die Verkehrswende

Der Personalbedarf bei den Bus- und Bahnunternehmen in Deutschland ist ungebrochen hoch, das ergibt die „VDV-Branchenumfrage Personal 2021“ unter 125 Unternehmen des öffentlichen Personen- und des Schienengüterverkehrs.

„Vor allem im Fahrdienst prognostizieren fast 80 Prozent der teilnehmenden Unternehmen einen höheren Bedarf bis 2030. Derzeit arbeiten allein in diesem Bereich 96.000 Beschäftigte. Doch letztlich suchen wir in allen Berufsgruppen qualifiziertes Personal. Es wird immer deutlicher: Der Fachkräftemangel steigt und bedeutet eine zu lösende Herausforderung – nämlich allein für den ÖPNV bis 2030 rund 74.000 altersbedingt freiwerdende Stellen wiederzubesetzen und vor allem die prognostizierten 110.000 neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, die wir für die Mobilitätswende dringend suchen. Gleiches gilt für den Personalbedarf beim Eisenbahnverkehr“
Oliver Wolff · VDV-Hauptgeschäftsführer

Vorzüge der Branche bekannt

Hilfreich erweist sich der Faktor „sinnstiftende Arbeit“ bei den Bus- und Bahnunternehmen: Etwa die Hälfte der Unternehmen nimmt in Verbindung mit einem wachsenden Klimaschutzbewusstsein ein gesteigertes Interesse an der Arbeit in der Verkehrsbranche wahr, 39 Prozent können das nicht feststellen. In Zeiten der Krise werden weitere Themen wie Sicherheit des Arbeitsplatzes und verlässliche Bezahlung von den Bewerberinnen und Bewerber höher gewertet: 89 Prozent der Unternehmen gaben an, dass ein sicherer Arbeitsplatz für die Bewerber zu den wichtigsten Vorzügen der Branche zählt – gefolgt mit jeweils 57 Prozent von pünktlicher Bezahlung und flexiblen Arbeitszeitmodellen.

Berufe für die Mobilität mit Zukunft

Multimodale Verkehrsangebote und digitale Mobilitätsplattformen werden in Zukunft mehr an Bedeutung gewinnen. Die Verkehrslenkung und die Organisation und Vernetzung der Verkehrsangebote benötigen qualifizierte Elektroniker, System- und Fachinformatiker sowie Netzwerkarchitekten. Talentierte Data Scientists, Mobilitätsberater und Datenschutzexperten sorgen dafür, dass neue flexible Angebote für Kunden entstehen und intermodale Mobilitätsplattformen erfolgreich laufen. Instandhaltungsprozesse an Fahrzeugen und Infrastruktur werden digitaler durch 3D-Druck-Spezialisten und hochqualifizierte Mechatroniker. Environment Experts gewährleisten umweltfreundliche Mobilität, Hochvolt-Ingenieure machen Fahrzeuge elektromobil, und schließlich sorgen Recruiter und Social-Media-Manager dafür, dass die Mobilitätsbranche ihre berufliche Attraktivität in die medialen Kanäle der Zielgruppen kommuniziert und engagierte neue Mitarbeiter gewinnt. Das sind nur einige Beispiele, die aufzeigen wie vielfältig die Berufe im öffentlichen Personenverkehr sind. Auch die schon bestehenden Berufen wie im Fahrdienst, in den Werkstätten und in den Zentralen werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen, gerade weil der Mobilitätsmarkt weiter wachsen wird.

Der öffentliche Verkehr ist ein attraktiver und moderner Arbeitgeber. Die Verkehrsunternehmen bieten regionale und sichere Arbeitsplätze mit vielfältigen Perspektiven sowie hohen Sozialstandards. Deshalb hat der VDV eine Arbeitgeberinitiative ins Leben gerufen, die die Unternehmen in der Personalgewinnung unterstützen, das Interesse an der Branche erhöhen und über Möglichkeiten und Chancen informieren soll.

VDV-Arbeitgeberinitiative

Interesse an den Verkehrsberufen wecken, das Image der Branche  verbessern und die Verkehrsunternehmen operativ bei der Personalgewinnung unterstützen – das sind die Ziele der VDV-Arbeitgeberinitiative. Kernstück der Initiative ist ein Webportal, das sich an Auszubildende, Studenten, Quereinsteiger und Fachkräfte richtet. Im "Stellenmarkt" gibt es über 10.000 offene Stellen im Bereich Personen- und Schienengüterverkehr:
www.in-dir-steckt-zukunft.de

Beschäftigte im öffentlichen Personenverkehr - Hoher Personalbedarf bis 2030

In den VDV-Mitgliedsunternehmen im öffentlichen Personenverkehr arbeiten rund 151.000 Mitarbeiter*innen. Davon sind aktuell 87.000 Beschäftigte im Fahrdienst, 37.000 arbeiten im technischen Dienst und 27.000 in der Verwaltung.

Es besteht bereits heute und auch zukünftig ein hoher Personalbedarf in der Branche, was auch auf den demografischen Wandel zurückzuführen ist. Von den aktuell 151.000 Beschäftigten in den VDV-Mitgliedsunternehmen im öffentlichen Personenverkehr sind bis 2030 ca. 50 Prozent zu ersetzen. Das heißt, fast 50 Prozent neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden benötigt, nur um den Status quo aufrechtzuerhalten. Von diesen Stellen wird nur jede Fünfte von einem Auszubildenden besetzt werden können.

„Wir werden bis 2030, vor allem altersbedingt, viele Personalabgänge zu verzeichnen haben. Berücksichtigt man die angestrebten und aufgrund der Verkehrswende notwendigen Wachstumsziele der Branche, ergibt sich schon bis 2025 ein Personalbedarf von 50.000 Fachkräften. Es fehlen schon jetzt deutschlandweit etwa 1.500 Lokführerinnen und Lokführer – Tendenz steigend“, so Ingo Wortmann. Das Durchschnittsalter der Mitarbeitenden im öffentlichen Personen- und Eisenbahnverkehr beträgt 46,5 Jahre."
Ingo Wortmann · VDV-Präsident

Quelle: VDV | 2020

Bis 2030 müssen 74.000 Beschäftigte aufgrund des demografischen Wandels im öffentlichen Verkehr ersetzt werden:
- 40.000 im Fahrdienst
- 20.000 im technischen Bereich
- 14.000 im kaufmännischen Bereich


Die Verkehrswende erfordert mehr Personal

Fachkräfteeinwanderung erleichtern
Der VDV begrüßt den Modernisierungsansatz, den die Bundesregierung bei der Fachkräfteeinwanderung verfolgt:

„Das gestern vom Kabinett verabschiedete Eckpunktepapier ist ein Schritt nach vorn und kommt keinen Tag zu spät. Fachkräfte sollen demnach nicht nur in dem Bereich arbeiten dürfen, für den sie eine Qualifikation haben, sie dürfen auch dann einreisen, wenn sie – auch ohne Abschluss – Berufserfahrung haben. Zudem sollen Nicht-EU-Migranten grundsätzlich Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten, wenn sie maßgebliche Kriterien – Qualifikation, Sprache, Berufserfahrung – in einem Punktesystem erfüllen. Jetzt kommt es natürlich auf die Ausgestaltung an, denn wir brauchen bei den Bus- und Bahnunternehmen alle helfenden Hände und klugen Köpfe. Die Unternehmen haben endlich einen größeren Entscheidungs- und Handlungsspielraum erhalten, unter anderem im Rahmen einer ‚Anerkennungspartnerschaft mit Erwerbsmigranten‘, die eine qualifizierte Beschäftigung und ein paralleles Anerkennungsverfahren ermöglicht. Klar ist für die Branche auch, dass wir uns auf dem inländischen Arbeitsmarkt noch stärker positionieren müssen – auch mit der VDV-Arbeitgeberinitiative – und noch stärker das Potenzial heben, was da ist. Dazu müssen wir unsere Personalabteilungen stärken, Anzeigen auf Englisch schalten, noch mehr auf Frauen und Quereinsteiger setzen. Wir müssen alle Register ziehen und doch wird das nicht reichen. Darum sind wir als Bus- und Bahnunternehmen auf die einwandernden Fachkräfte angewiesen. “
Werner Overkamp · VDV-Vizepräsident

Die Bundesregierung setzt in ihren Eckpunkten auf eine Säulensystematik aus „Fachkräften“, „Erfahrung“ und „Potenzial“. Der VDV sorgt sich jedoch um den formulierten Finanzierungsvorbehalt. Ohne zusätzliche Mittel können die Maßnahmen, die zu Ausgaben im Bundeshaushalt führen, nur umgesetzt werden, wenn sie in den Ressort-Einzelplänen gegenfinanziert werden. Die Eckpunkte vereinfachen den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt: „Erstens, die sogenannte BlueCard wird geöffnet für beruflich ausgebildete Erwerbsmigrantinnen und -migranten – bislang lag der Fokus allein auf Akademikerinnen und Akademikern. Zweitens, die Einreise ist nun für Fachkräfte mit Abschluss und Berufserfahrung ohne langwieriges formales Anerkennungsverfahren für die Aufnahme von Tätigkeiten in nicht reglementierten Berufen möglich. Drittens können gemäß Papier auch diejenigen nach Deutschland einreisen, die eine Berufsausbildung in einem Unternehmen absolvieren.

Kern der beruflichen Integration: Sprachkenntnisse
Für den öffentlichen Verkehr sind Sprachkenntnisse eine „Schlüsselkompetenz“. Sprachförderung ist daher gut investiertes Geld. Der VDV drängt darauf, hierfür die entsprechenden Finanzmittel und Ausbildungsstrukturen bereitzustellen.

Per Chancenkarte Einreise ohne Arbeitsangebot
Mit der sogenannten „Chancenkarte” ist eine Einreise auch ohne konkretes Arbeitsangebot möglich, sofern verschiedene Kriterien erfüllt sind beispielsweise „Hochschulabschluss oder berufliche Qualifikation“, „früherer Aufenthalt in Deutschland“ und „Alter unter 35 Jahren“. Der VDV hat sich in seinen Stellungnahmen dafür eingesetzt, dass das gesamte formale Integrationsverfahren entbürokratisiert wird. Das ‚Transparente Verwaltungsverfahren‘ könnte zu einer spürbaren Entlastung führen. Damit beginnt die Integration in das berufliche und soziale System in Deutschland.

Umsetzung ab Frühjahr 2023
Die in den verschiedenen Gesetzen notwendigen Änderungen sollen Anfang 2023 im Bundeskabinett beschlossen werden. Ab Frühjahr 2023 soll das novellierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz umgesetzt werden.