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Pressemitteilungen

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Die ÖPNV-Bilanz des Corona-Jahres 2020

Fahrgastrückgänge bis zu 80 %; Einnahmenverlust 3,5 Mrd. Euro; Angebot bei nahezu 100 %; Rettungsschirm von Bund und Ländern verhindert größere wirtschaftliche Schäden

Die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Beschränkungen haben die Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) im vergangenen Jahr hart getroffen. Durch den Rückgang der Mobilität während der Lockdowns, verstärkt durch umfangreiche Kurzarbeit- und Homeoffice-Regelungen, geschlossene Kitas und Schulen, ausgefallene Freizeit- und Großveranstaltungen sowie den Rückgang beim Tourismus sind im Nahverkehr sowohl die Fahrgastzahlen als auch die Ticketeinnahmen eingebrochen. „Die Menschen sind coronabedingt deutlich weniger unterwegs, sowohl beruflich als auch in der Freizeit. Da wir seit Beginn der Pandemie, auch in der Zeit der stärksten Beschränkungen, trotzdem nahezu das volle Bus- und Bahnangebot weiterfahren, sind die Einnahmeverluste – bei etwa gleichen Kosten – immens. Der von Bund und Ländern beschlossene Rettungsschirm hat uns vor dauerhaften wirtschaftlichen Schäden bewahrt. Doch noch ist die Covid-Krise nicht vorbei und wir fahren weiterhin monatliche Verluste in dreistelliger Millionenhöhe ein“, so Ingo Wortmann, Präsident des Branchenverbands VDV, in einer Bilanz zum Corona-Jahr 2020.

Um allen Bürgerinnen und Bürgern, die auch während der Pandemie und im Lockdown auf einen funktionierenden und möglichst sicheren ÖPNV angewiesen sind, ein verlässliches Angebot zu bieten, fahren die Bus- und Bahnunternehmen seit März letzten Jahres fast 100 Prozent ihres Angebots. Und das trotz teilweise bis zu 80 Prozent weniger Fahrgästen (im März und April). Das aktuelle ÖPNV-Angebot wird vor allem von Fahrgästen in systemrelevanten Berufen genutzt, die unbedingt zur Arbeit müssen. „Bei den Fahrgastzahlen haben wir im vergangenen Jahr Wellenbewegungen erlebt: In den ersten beiden Monaten, also vor der Pandemie in Deutschland, stieg die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr um vier bis sechs Prozent. Dann kamen die pandemiebedingten Beschränkungen und kurze Zeit später verzeichneten wir bis zu 80 Prozent weniger Kundinnen und Kunden. Während der Lockerungen von Mai bis September erholte sich die Nachfrage wieder auf rund 80 Prozent. Ab dem erneuten Lockdown von Dezember bis heute sanken die Fahrgastzahlen dann unter 50 Prozent, aktuell sind es bundesweit im Schnitt 30 bis 40 Prozent“, so Wortmann.

Rettungsschirm auch für 2021 nötig

Die Verluste der Branche bei den Ticketeinnahmen belaufen sich für die neun Monate von März bis Dezember 2020 auf rund 3,5 Milliarden Euro. Während die ÖPNV-Stammkundschaft weit überwiegend ihre Abos nicht kündigte, brachen die Einnahmen bei den Gelegenheitsfahrten größtenteils weg. Der von Bund und Ländern zur Verfügung gestellte Rettungsschirm enthält bis zu fünf Milliarden Euro und wird nach aktuellen Berechnungen des VDV noch etwa bis Ende des ersten Quartals 2021 reichen. „Wir rechnen damit, dass wir auch im gesamten Jahr 2021 noch nicht wieder die sonst übliche Zahl an Fahrgästen befördern werden. Das heißt, dass wir weiterhin Verluste einfahren und dementsprechend mit der Politik zeitnah über einen erneuten Rettungsschirm sprechen müssen“, so Wortmann. Der Branchenverband und seine Mitgliedsunternehmen kalkulieren mit Einnahmeausfällen von weiteren 3,5 Milliarden Euro über das gesamte Jahr 2021. Zu den noch vorhandenen Mitteln aus dem Rettungsschirm 2020 bliebe damit ein zusätzlicher Bedarf von rund zwei Milliarden Euro. „Wir gehen davon aus, dass es erst ab Herbst wieder zu einem deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen kommen wird, wenn die Zahl der Geimpften entsprechend hoch ist und die Einschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft nach und nach zurückgenommen werden – vor allem mit dem Rückgang bei der millionenfachen Kurzarbeit und dem Arbeiten von zu Hause“, so Wortmann.

Besondere Rahmenbedingungen prägen den ÖPNV-Betrieb unter Corona

Neben den Fahrgastzahlen und den Einnahmen haben sich in der Corona-Pandemie auch die Rahmenbedingungen des ÖPNV-Betriebs außerordentlich verändert. „Wir mussten quasi über Nacht zahlreiche Maßnahmen ergreifen, um die Fahrgäste und das Personal bestmöglich zu schützen und die Ansteckungsgefahr in den Fahrzeugen, Stationen und in den Unternehmen zu minimieren. Das hat uns gerade in den ersten Wochen der Pandemie vor große zusätzliche Herausforderungen gestellt. Während Busse und Bahnen weiterfuhren, mussten Sicherheitsmaßnahmen für das Fahrpersonal, wie der Einbau von Trennscheiben, ergriffen werden. Dazu kam die Maskenpflicht im ÖPNV für Fahrgäste, die es zu kontrollieren galt. Die Reinigungsmaßnahmen in den Fahrzeugen wurden deutlich erhöht und natürlich mussten wir auch in den Werkstätten, auf den Betriebshöfen, in den Leitstellen und in der Verwaltung entsprechende Schutzmaßnahmen wie Abstands- und Hygieneregeln berücksichtigen. In Summe muss ich der Branche und vor allem den Kolleginnen und Kollegen im Werkstatt- und Fahrbetrieb ein großes Kompliment aussprechen, denn wir haben auch unter den oft wechselnden und schwierigen Rahmenbedingungen immer zuverlässig unser Angebot aufrechterhalten“, so Wortmann.

Verschärfte Maskenpflicht, Infektionsgefahr und Vermeidung von Gesprächen

Die Corona-Regeln für die Nutzung von Bus und Bahn wurden seitens des Bundes und der Länder Ende Januar und mit Blick auf die insgesamt weiterhin hohen Infektionszahlen in Deutschland nochmals verschärft: Seitdem gilt im ÖPNV, wie auch im Einzelhandel, die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske und die Menschen wurden aufgerufen, ihre Kontakte und ihre Mobilität grundsätzlich – auch im Nahverkehr – auf das absolut notwendige Minimum zu beschränken.

VDV-Präsident Wortmann betont in diesem Zusammenhang, dass die Verschärfungen nicht auf eine erhöhte Infektionsgefahr im ÖPNV hinweisen, sondern generell auf eine Vermeidung von Kontakten und auf die Eindämmung der Virusausbreitung über Aerosole abzielen. „Nach allen uns bekannten nationalen und internationalen wissenschaftlichen Untersuchungen ist der ÖPNV kein Corona-Hotspot. Die seit März 2020 geltende Maskenpflicht, die intensivere Reinigung der Fahrzeuge, das regelmäßige Lüften durch Klimaanlagen und Türöffnungen an den Haltestellen sowie die relativ kurze Aufenthaltsdauer in den Fahrzeugen führen dazu, dass Busse und Bahnen ohne erhöhtes Infektionsrisiko genutzt werden können. Ein weiterer Faktor ist, dass im ÖPNV während der Fahrt in der Regel weniger gesprochen wird als im privaten oder beruflichen Umfeld. Denjenigen, die sich unterwegs gern unterhalten oder telefonieren, empfehlen wir, davon abzusehen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Denn auch das hilft, um die Verbreitung von Aerosolen einzudämmen“, so Wortmann abschließend.